Peru-Ecuador

August 24, 2011 0 By root

Hier zeige ich Fotos meiner Radreise von Lima,Peru nach Quito,Ecuador welche ich von Ende April bis Anfang Juli 2011 unternommen habe. Die vielen Eindrücke die ich dort sammeln konnte hoffe ich ein wenig in meine Bilder hineingebracht zu haben, und so ein vielleicht etwas anderes Bild der beiden Länder zu vermitteln als nur die bekanntesten Sehenswürdigkeiten wie Machu Picchu, Cuzco, Cuenca, Cotopaxi usw. zu zeigen.

Zur Ankunft als ich mit dem Flugzeug in Lima ankam und im Taxi vom Flughafen in Richtung Hostal unterwegs war, lernte ich gleich die Peruanischen Straßenregeln kennen. Wir fuhren noch nicht lange als der Taxifahrer bei rot eine Ampel überquerte, junge Fußgänger welche gerade bei grün die Straße überqueren wollten fast überfuhr und dann mit herausgestrecktem Kopf die Passanten anbrüllte ob sie denn keine Augen im Kopf hätten. Als wir dann weiter fuhren meinte er noch zu mir, dass die bestimmt alle betrunken seien. Dieses Ereignis dachte ich mir sollte ich doch besser irgendwo im Kopf abspeichern wollte ich nicht im Laufe meiner Radreise durch Peru und Ecuador nähere Bekanntschaft mit einem Taxifahrer machen der eventuell meinte alle Radreisende seien ebenfalls betrunken.

Dass die Strecke durch Lima mit dem Rad nicht ganz Lustig wäre hatte ich mir ja schon vorher grob ausmalen können. Kilometerweise ging es durch wirklich übel heruntergekommene Gegenden, Unmengen von Müll und das ganze kombiniert mit heftig chaotischem Verkehr, danach geht es dann weiter mit der 5-spurigen Autobahn die jedoch vollgestopft als 7-spurige verwendet wird. Hier sollte man schon etwas Abenteuerlust einplanen, wobei die Betäubung durch die Abgase einen das ganze wieder etwas ruhiger erscheinen lässt.

Für den 4840m hohen Pass Abra Anticana sollte man sich Zeit nehmen.
von Lima zum Pass sollte man mindestens 4 besser 5 Tage einplanen. Man fühlt sich sonst nämlich bei zu schnellem Anstieg in der Höhe recht schnell als wenn man 4 große Pfälzer Weinschorle intus hätte und noch einen mächtigen Kater vom Vortag dazu. Da hilft Cocatee dann auch nur noch in Maßen dagegen.

Den Hunden ist nicht ganz zu trauen,
ich dachte immer Hunde die bellen beißen nicht, aber Ausnahmen bestätigen schließlich mal die Regel. Bis ich die richtige Kampftechnik zur Hundeabwehr gefunden hatte konnten mir leider 2 Angreifer eine Blutprobe an meiner Fußferse nehmen. Auf dem Rad ist man halt doch ein gutes Ziel. Das ist Hundesport am lebenden Objekt.

Ökologisch Auto fahren.
mich erstaunte es dann doch etwas als ich 9 Personen 1 Hund und dazu noch eine Menge an Gepäck in einen gewöhnlichen PKW zählte. Da sollte man sich hier mal eine Scheibe davon abschneiden.

Bin mir sicher herausgefunden zu haben welches das 3. Wort ist welches Kleinkinder hier nach MAMA und PAPA lernen: GRINGO

Mit dem Collectivo von La Union nach Huanuco Pampa.
Der Kleinbus sah schon wirklich sehr mitgenommen aus. Als wir dann los fuhren bekreuzigte sich der Fahrer bei jeder Kirche oder Kreuz. Was bestimmt auch seine Gründe haben mochte. Nach wenigen Kilometern war dann auch gleich die erste Panne. Der Fahrer wusste anscheinend auch gleich welcher defekt vorlag und nahm eine Reepschnur in die Hand und band irgendetwas am Lenkgestänge oder Radaufhängung unter dem Auto zusammen. Ein anderer Peruanischer Mitfahrer der mit mir zusah begann zu lachen. Ich hatte glücklicherweise nur noch wenige Kilometer mit zu fahren.

Die Türen in Peru sind für Peruaner gebaut nicht für Deutsche.
Man sollte sich das ständig vor Augen führen. Vor lauter Kopfanschlagen am Türrahmen wuchs mir schon fast Hornhaut auf der Stirn.

nach Trujillo
130 Km durch Wüste geradelt, immer gleiche Landschaft mit Großplantagen von transnationalen Konzernen die riesige eingezäunte Areale besitzen. Die Konzerne sollen angeblich den Lebensstandart der Bauern erhöhen. Die armseligen Behausungen die ich jedoch dort gesehen habe lassen allerdings auf anderes schließen.

Radeln mit Polizeieskorte
die Küstenstraße nördlich von Trujillo scheint nicht ganz so sicher zu sein wie es den Anschein hat. Kurz nach Trujillo waren ständig Polizeikontrollen bei denen jedes mal meine Personalien aufgenommen wurden. Die Abstände der Kontrollen wurden immer kürzer bis dann zum Schluss ständig ein Begleitfahrzeug wenige Meter hinter mir herfuhr. Sie meinten dass es in der Gegend viele Überfälle gäbe und von oberster Stelle die Order kam mich zu begleiten. Selbst als es dunkel wurde musste ich noch 35 Km weiter fahren bis zum nächsten größeren Dorf obwohl ich an diesem Tag schon 140 Kilometer auf dem Tacho hatte. Also gab es halt einen Sportlertag und so eine Nachtfahrt in Peru mit Blaulicht hinter einem hat man ja schließlich auch nicht jeden Tag. Im Dorf angekommen durfte ich noch nicht mal ins Hostal zum Übernachten sondern musste auf dem Polizeirevier nächtigen. Dort machte ich dann Bekanntschaft mit zwei sehr netten Kakerlaken die ständig in Richtung meines Gepäcks wollten, ich musste sie leider in einem Eimer für die Nacht einsperren.
Insgesamt waren es dann 130 Km Begleitung an dem Tag und 8 verschiedene Polizeiautos die sich abgewechselt haben.

Musikwettstreit
Parteianhänger von Keiko und Ollanta stehen im Musik-Lautstärke Wettstreit gegeneinander da gerade Wahlen sind. Beide Parteien haben hier im Dorf riesige Lautsprecherboxen draußen stehen und überbieten sich gegenseitig den anderen zu Übertönen, dazu kommt noch die Kapelle der Kirche die hier aber schon nicht mehr ganz in der Lautstärke mithalten kann und die Musik vom Dorffest das gerade stattfindet ist nur noch sehr schemenhaft zu erkennen. Sitzt man dann noch in einem Restaurant kommt natürlich noch die Telenovella dazu die dann den Fernseher an seine Lautstärkegrenze bringt da man ja was verstehen muss. Ich denke Peruaner können Töne einfach besser herausfiltern.

Grenze Peru-Ecuador
die Brücke am Grenzübergang wurde innerhalb 3 Stunden nur von einem Auto überquert, und das war die Peruanische Grenzpolizei mit Wagen, die zum Autowaschen auf die Ecuadorianische Seite kamen da man hier besser an den Fluss kommt als auf der Peruanischen Seite. Ansonsten wird die Brücke zum trocknen von Kaffeebohnen, und die Grenzschranke von Kindern als Fußballtor verwendet. Die Hauptbeschäftigung der Leute hier ist Fliegen klatschen und sich kratzen.

keine Erholung
bei Hitze im Amazonasgebiet Rad zu fahren und abends noch zu Zelten zählt nicht zu den freudigen Ereignissen eines Urlaubs. Heftig verschwitzt, mit Sonnencremeresten und Unmengen von Staub bedeckter Haut klebt man förmlich auf der Isomatte, dazu kommen noch Stechfliegen in rauhen Mengen die nur die Flucht ins warme Zelt erlauben. Erholsamer Schlaf sieht anders aus.

Peru hat viele Kinder
selbst wenn sich alle Kinder in Peru verstecken würden wüsste man dass es viele hier gibt, anhand der Unmengen von weggeworfenen Windeln die am Straßenrand herumliegen.

zum Abschluss in Quito
eine Stadt mit sehr viel Flair, und auch trotz der Touristen bewahrt sich die Stadt ihren ursprünglichen Charme. Unmengen an Kulturellem Angebot lassen auch für den längeren Aufenthalt keine Langeweile aufkommen. Für den Radler möchte ich den Ciclopaseo empfehlen welcher inzwischen jeden Sonntag stattfindet. Durch ganz Quito führt hier eine Autofreie Strecke von 29km Länge. Quer durch Quito auf dem Rad genießen ohne Autostress, ein perfekter Abschluss für einen Radurlaub.

Mit Sicherheit war das nicht mein letzter Urlaub in Peru und Ecuador. Die vielen sehr netten Menschen die ich kennen lernte, die noch sehr lebendig gelebte Folklore und die unglaublich abwechslungsreiche und gewaltige Landschaft haben mich gefesselt, und ich hoffe dass die nächste Tour nicht in all zu weiter Ferne liegt.